oder: philosophische Ansichten zur bewegten Luft.

Folge 5: Ach du grüne Neune!

Hallo liebe Neffen, ich hoffe ihr habt euch ja rege an unserem Quiz letzten Monat beteiligt, zur Strafe geben wir die Gewinner erst nächsten Monat bekannt - der Linksweg ist wie immer ausgeschlossen (Laut Dekret Nr. 2341/563,3 der Deutschen Phonanieakademie).

Wie auch immer, ich hoffe ihr hattet Spaß bei des Rätsels Lösung.

In dieser Folge wollen wir unser Wissen über Intervalle und Akkorde etwas erweitern und vertiefen, zu meiner Schande muß ich gestehen das ich während der Verfassung dieser Kolumne am Strand liege und mich frage wieso die Hippies auf Formentera alle schon über 60 sind und weiße Tennissocken in Espandrilles tragen statt zerfetzter Jeans und Palästinensertuch.

Aber nun zurück zu etwas völlig anderem, zu den Intervallen die wir in Folge 1 von der Prim bis zur Oktav, also innerhalb einer Oktav kennengelernt haben.

Doch selbstverstänlich gibt es auch Leben außerhalb dieser Oktav und die dort lebenden Interwale begegnen uns dann in freier Wildbahn des öfteren in Form von Ziffern, Symbolen und Geheimzeichen wie z:B. E 7#913 usw.

Und wer hat sich beim Anblick eines solchen Gebildes nicht auch schon gedacht : ?Ach du grüne Neune!" Und genau das sind meine Gedanken beim Blick auf das Gebilde links vor mir, ein Rentner der gerade dabei ist auf seiner roten Bierkugel eine Hautkrebsfarm zu installieren- "ach du grüne Neune!".

Aber nach Beschäftigung mit unserer heutige Folge werdet ihr zur Erkenntnis gelangen das es eigentlich heißen müßte "Ach du grüne None" (Ja diese None hat nur ein N, sie ist ja auch grün) Auf keinen Fall werdet ihr jedenfalls in Zukunft erschrecken beim Anblick der Geheimsymbole der Jazzpolizei, vielmehr wollen wir ein paar dieser Intervalle unseren bisher bekannten Akkorden hinzufügen.

Deshalb einigen wir uns mit der folgenden Übersicht auf die Bezeichnung dieser Intervalle. Fangen wir doch einfach mal von vorne statt von hinten an:


Die Intervalle in einer Oktav in der Oktav darüber

Ton Symbol Bezeichnung Ton Symbol Bezeichnung

C 1 Prim C? 8 Oktav

Db/C# b2 kleine Sekund Db?/C#? b9 kleine None

D 2 Sekund D? 9 None

Eb/D# kleine Terz Eb?/D#? #9 übermäßige

None (sprich: Kreuz Neun)

E große Terz E? 3 (10) keine, dazu später mehr

F Quart F? 11 Undezim

(sprich: elf)

Gb/F# übermäßige Quart Gb?/F#? #11 überm.

Undezim

(Kreuz 11)

G Quint G? 5 wie bei Terz

Ab/G# übermäßige Quint/Kl.Sext Ab?/G#? #5/b13 überm.Quint

kl.Tredezim

(Kreuz 5,b dreizehn)

A große Sexte A? 13 Tredezim

(dreizehn)

Bb/A# kleine Septim Bb?/A#? b7 wie Terz

H große Septim H? maj7 wie Terz

Die "neuen" Intervalle auf der rechten Seite haben zu ihren "Verwandten" auf der linken Seite lediglich den Unterschied, daß sie eine Oktav über ihnen liegen, die Töne also doppelt so hoch schwingen und klingen was sich durch den Strich neben dem Ton graphisch äußert.

Man spricht dann beim C eine Oktav drüber vom ?eingestrichenen C? also von C?, usw.

Was für eure Hör- und Singspiele zu Gehörbildungszwecken ganz einfach bedeutet: Zuerst eine Oktav nach oben singen und dann je nach dem eine Sekund (9) oder Sexte (13) draufsetzen bzw. Draufsingen.

Und spätestens hierbei werdet ihr merken daß der durch diese Oktav zusätzlich entstandene Abstand den Charakter, die Farbe des Zusammenklangs mehr ändert als ihr gedacht habt.

Zum Beispiel die 9 - die None: klingt eine Sekund im Zusammenklang mit der Prim doch sehr gespannt, man möchte fast sagen stressig, so thront die None erhaben und schön mit einer Oktav Abstand zum Grundton. Generell kann man sagen das die Oktav Abstand den Zusammenklang von für manche Ohren "kritischen" Intervallen erleichtert.

Nun, was fangen wir mit diesem neugewonnenen Wissen an?

Wir wollen diese Intervalle mit ihren obigen Zifferbezeichnungen benutzen als Akkordoptionen, d.h. sie werden zu den euch bekannten 3 und 4-Klängen hinzugefügt um diese schöner, interessanter, skurriler oder wie auch immer klingen zu lassen.

Der Grund weshalb die Terz, die Quint und die Septime bei vorhergegangener Tabelle keine Bezeichnung für ihren Einsatz als Akkordoption erhalten haben ist ganz einfach der , das 1 3 5 7 nun einmal die Akkordgrundbausteine sind zu denen sich Optionen gesellen können, selber logischerweise aber nicht als Option zur Verfügung stehen.

Was aber tun wenn sich Zahlenkolonnen wie E79#1113 auf euch zubewegen?

Zuerst man locker bleiben und folgendes beachten:

Eine solche Akkordbezeichnung enthält immer auch die wichtigsten Grundinformationen, nämlich Dur oder Moll und falls vorhanden große oder kleine Septim, der Rest im obigen Beispiel sind dann Optionen, Akkorderweiterungen die ihr nun irgendwie zum Grundgerüst dazuwurschteln müßt, doch dazu später einge Tips.

Werden also Optionen einem Vierklang hinzugefügt, so taucht nach dem Grundton und der Geschlechtsanalyse Dur Moll (im obigen fall kein - oder min. also kein moll, also Dur) zuerst einmal die Septime auf- in diesem Fall die kleine Septim und dann die spektakuläre Auflistung der Optionen.

In diesem Fall spräche man dann von einem ?E sieben (also Kategorie der Dominantseptakkorde) neun, Kreuz elf, dreizehn? und das hört sich ja nun wirklich total kultig an. Und wenn ihr im Kreise eurer Lieben an Weihnachten, in eurer Band oder auch mal in der örtlichen Szenekneipe einen richtig guten Eindruck hinterlassen wollt, dann laßt doch einfach mal so eine Akkordbezeichnung einfließen in ein Gespräch - ihr werdet sehen, der Respekt mit dem man Euch von da an begegnen wird ist grenzenlos! (Falls es nicht funktioniert solltet ihr ernsthaft über die Anschaffung einer Hornbrille nachdenken).

In Ausnahmefällen stehen fanatische Akkordsymboliker auf dem Standpunkt, daß z.B. ein C13 alle Erweiterungen bis hin zur 13 ermöglicht, irgendwie hat da jede Riege ihren eigenen Kodex, das alles sollte uns nicht weiter interessieren, denn mit präzieser Angabe der tatsächlichen Optionen entstehen immer noch am wenigsten Mißverständnisse.

Im Falle von Akkordoptionen bei Dreiklängen ist folgendes zu beachten:

Ein C add 9 ist ein C Dur Dreiklang ohne Septim mit hinzuaddierter None. (add 9 - logisch)

Bei C sus 4 steht sus für suspendet was eher erweitert als beurlaubt heißt und im Deutschen auch als Quartvorhalt bekannt ist (Terz wird Quart )

Ein C6 ist C mit gr. Sexte, ohne Septim, das wäre ja C7/13

Um euch etwas zu tainieren nun einige Beispiele, zum Teil direkt aus dem Leben gegriffen:

Akkordbezeichnung enthaltene Intervalle wird gesprochen als

C maj 7 9 1 3 5 gr7 9 C mäitschor sieben neun

A-add9 1 b3 5 9 A ädd nein

E7#9 1 3 5 7 #9 E sieben kreuz neun (oder Jimi Hendrix Akkord)

C7 9 11 1 3 5 7 9 11 E sieben neun elf

C sus 4 1 4 5 C sus vier

C-6 1 b3 5 6 C moll sechs

C7 #11 b13 1 3 5 7 #11 b13 C sieben kreuz elf be 13

Cmaj 7 # 5 1 3 (5) gr 7 #5 C maitschor sieben Kreuz 5

F add 9 1 3 5 9 F ädd nein

Fast wia im richtigen Leben so findet ihr auch bei diesen Beispielen die eisten Fälle von erweiterten Akkorden bei den Dominantseptakkorden, dazu ein andermal mehr. Nun dürftet ihr theoretisch also für den Ernstfall gewappnet sein, und alle die nun schon zur Praxis übergegangen sind und versucht haben einen C7b9#11b13 auf ihrer Melodika zu intonieren kann ich auch beruhigen. Denn theoretisch bedeutet das zwar die Ansammlung der Töne C E B Bb Db F# und Ab, aber in der Praxis erweitert die Option denn Akkord nicht nur sondern ersetzt auch einige der ursprünglichen Akkordbausteine, im obigen fall zumindest die Quinte.

Etwas vorsichtiger sollte man beim Weglassen von Terz und Septim sein, denn diese Töne sind

"guide tones", Leittöne und tragen die wichtigsten akkordinformatione, nämlich Dur/Moll, gr.7, kl. 7. Dann schon eher denn Grundton Weglassen, denn spielt euer Basser eh besser (weil tiefer?)

Aber bevor ihr nun endgültig denkt wir driften hier in die Welt de Wahnsinns und der Gitarristenfressenden Zahlenkolonnen ab will ich euch lieber etwas auf den Geschmack bringen.

Nehmt z.B. Every breath you take von Police, zumindest die Strophe besteht ausschließlich aus add 9 Akkorden, genause wie der pre Refrain von Dream on von Aerosmith oder das Gitarrenriff von Message in a bottle - ein add 9 jagt den nächsten.

Sheryl Crows ?All I wanna do? überrascht uns hingegen mit wunderschönen Dom7 9 Akkorden, checkt doch solche songs einfach mal aus und ihr werdert sehen wie gut es ist solche sounds unter den Fingern zu haben.

Wobei das Akkordvoicing nicht ganz unwichtig ist. Mein Lieblingsvoicing für add 9 Akkorde ist folgendes: 1 5 9 (3) oder (b3) also Grundton, Quinte, None und dann evtl die Terz.

Im Fall von C add 9 also C G D und evtl E.

Was dises voicing nun so besonders wertvoll macht sind die Quintabstände zwischen 1/5 und 5/9 das klingt so herrlich offen und total poppig. Packt man nun die Terz obendrauf kriegt man noch eine kleine schöne Spannung durch denn engen Abstand zur None.

Nehmt doch einfach mal ein paar eurer Lieblingsakkordfolgen, addiert die None und spielt sie mit diesem voicing - alles klingt einen touch edeler und doch so poppig (schon wieder)

Dankschreiben bitte mailen an skibbe @skibbe.de.

Um euer Wohlbefinden nun ins Unermessliche zu steigern hier noch die Ankündigung das wir in der nächsten Folge ausführlich Beispiele und praktische Tips zu interessanten Akkordfolgen mit schönen Optionen behandeln werden.

Bis dahin versucht doch schon mal den guten alten Trick der schon bei den 4 Klängen so gut funktioniert hat - ihr erinnert euch Em über C gibt Cmaj7. Sprich ein Dreiklang eine Terz über dem Grundton erzeugt den leitereigenen Vierklang.

Und genauso erzeugt ein Vierklang eine Terz über dem Grundton einen Fünfklang, was heißt, Em7 über C ergibt Cmaj7 9 (sprich c mäitscher sieben neun).

Dies könnte uns auch einen interessanten Denkanstoß zum improvisieren über einen solchen Akkord geben, aber wer denkt beim improvisieren schon gern nach?

In diesem sinne - ich denk an euch!

Onkel Hermann