oder: philosophische Ansichten zur bewegten Luft.

Folge 3: Manfred B. und die magische 7- oder Septimen lügen nicht

Hallo liebe Neffen, zuerst einmal vielen Dank für die netten Zuschriften in Bezug auf die ersten beiden Workshops eures guten Onkels Hermann.
Besonders gefreut hat mich jedoch die Zuschrift eines gewissen Peter M. - erst jetzt nach der Lektüre von ?über 7 Stufen mußt du gehen? weiß er endlich über was er da jahrelang völlig unwissend gesungen hat.

Aber mal Spaß beiseite, die letzten beiden Folgen hatten es ja schon ein wenig in sich und auch heute wollen wir nochmal ein bischen aufs Gas drücken - nächstes Mal wollen wir dann allerdings

ein bischen verschnaufen und rekapitulieren, bevor die ersten von euch kapitulieren und mit einer Ohrmuschelzerrung zu Dr. Müller-Wallfahrt renne um sich dort ihre Läppchen massieren zu lassen.

Ich habe zu diesem Zweck ein Quiz für euch erstellt in dem ich neben Fragen zu allen Lebenslagen,

Bassisten und deren Übungsräume und ähnlich wissenswertem auch Fragen zu den ersten 3 Folgen

dieses Workshops stellen werde - also heute nochmal gut aufpassen und nächsten Monat eure tollen Gewinnchancen wahren.

Und da wir schon bei einem kleinen Ausblick auf das was hier kommen wird sind - natürlich will ich mit euch so schnell wie möglich die trockenen Gefilde verlassen um so richtig kreativ werden und

loszukomponieren. Melodien zu Akkordfolgen und umgekehrt. Außerdem will ich euch mit Situationen konfrontieren wie ich sie in meiner oft tristen Praxis erlebe und euch nette kleine Kompositionsaufgaben stellen (?Mach doch mal was lustiges, muß das denn immer so traurig sein?

oder ?das ganze bitte mit viel Rhythmus - aber auch mit Melodie? oder, auch sehr beliebt ?Mach doch mal was wie ..?) Wir haben dann auch vor die schönsten eurer Werke auf der immer beiliegenden Soundcheck CD zu veröffentlichen.

Um für diese Aktionen die gemeinsame Kommunikationsbasis zu schaffen widmen wir uns nun wieder den Grundlagen der Harmonielehre - in Folge 1 haben wir uns mit den Abständen der Töne zueinander, mit den Intervallen befaßt, letztesmal mit Akkorden und den legendären 7 Stufen und genau da werden wir heute einhaken.



Zuerst nochmal ein Überblick über die Dreiklänge und deren Stufenzugehörigkeit:



So, und nun gehen wir einen Schritt weiter und machen aus unseren Dreiklängen Vierklänge - und wie? - nun wir bleiben beim theoretischen Verfahren des letzten Monats und schichten einfach eine weitere (tonleitereigene) Terz auf unsere guten Dreiklänge - hier am Beispiel von C dargestellt

Abb 2: C E G H

machen wir das dann mit allen Dreiklängen der Tonart C Dur erhalten wir folgendes:





Abb 3:

werfen wir sodann einen Blick auf die neu hinzugewonnenen Töne und wir stellen fest es handelt sich um Septimen - und weil wir in Folge 1 so gut aufgepaßt haben fällt uns sofort auf daß sich bei manchen Stufen eine kleine, bei anderen eine große Septim ergibt.

Die große Septim auch major 7 genannt ( maj 7 oder Dreieck 7) finden wir auf Stufe I und IV

die kleine Septim (7) auf den übrigen.

Und das wären dann unsere Vierklangskreaturen:

Abb 4:

In C Dur: Cmaj7 D-7 E-7 Fmaj7 G7 A-7 H-7b5

Und da diese Akkordtypen nicht nur in C Dur so entstehen übertragen wir unsere Ergebnisse auf die Maffay?sche 7 Stufen Theorie - woraus folgt:

Abb 5: Stufe/Akkordtyp:Imaj7 II-7 III-7 Ivmaj7 V7 VI-7 VII7b5

lassen wir die 7. Stufe mal außer 8 dann haben wir 3 verschiedene Vierklangsvarianten heute so quasi neuentdeckt:

Dur mit großer 7 Intervalle 1 3 5 maj7
Dur mit kleiner 7 1 3 5 7
Moll mit kleiner 7 1 b3 5 7
anhand der Intervalle könnt ihr erkennen daß sich diese Akkorde jeweils nur durch die Terz oder Septim unterscheiden die Terz legt fest ob es sich um Dur oder Moll handelt, die Septim entscheidet über maj7 Akkord oder Dominantseptakkord.

Für diese 3 neuen Varianten gilt das gleiche wie bisher für Intervalle und Dreiklänge: Spielen und Singen, Singen und Spielen (Singspiel), denn nur so werdet ihr auch ohral vertraut mit den Vierklängen.

Um euch nocheinmal den Nutzen der Stufentheorie zu verdeutlichen picken wir uns 2 Tonarten, nämlich D und Bb und übertragen das neugelernte darauf:

Abb 6: Stufe: I II III IV V VI VII

In D Dur: Dmaj7 e-7 f#-7 Gmaj7 A7 h-7 c#-7b5

In Bb Dur: Bbmaj7 c-7 d-7 Ebmaj7F7 g-7 a-7b5

Probiert das doch auch mal mit anderen Tonarten.

Nun sind euch bestimmt schon Begriffe wie Tonika, Subdominante etc. über den Weg gelaufen und

auch das wird ab sofort kein chinesisch mehr für euch sein.

Tonika ist die I Stufe - das tonale Zentrum einer Tonart auf das sich die restl. Akkorde beziehen

Dominante nennt man die V Stufe - der auf dieser Stufe befindliche Dominantseptakkord leitet (vor allem in der klassichen Musik fast zwanghaft) zur I Stufe hin.

Subdominante IV Stufe

Mollparallele: VI Stufe - spricht jemand z.B. von der Tonart a moll dann wißt ihr ab sofort:

a moll ist die VI Stufe, also die Mollparallele von C Dur, dh. Ihr könnt beruhigt mit dem Tonmaterial von C Dur weiterarbeiten.

Zur besseren Übersicht hier Abb. 7

Stufe: I II III IV V VI VII

Tonika Dominante

Subdominante Mollparallele

Ihr habt außerdem schon bestimmt mal den Begriff Kadenz von einem Offizier der Jazzpolizei oder einem Mitglied des Aufsichtsrates der deutschen Phonanieakademie um die Ohren gehauen bekommen. Nun Kadenzen sind nichts anders als Akkordklischees - gängige Akkordfolgen die wir

ab sofort stufenmäßig abspeichern um so Zugriff darauf in allen Tonarten zu haben.

Hier zwei sehr gängige Kadenzen:

1.)I IV V Kadenz (in C : C(maj7) F(Maj7) G(7)) - wie ihr sofort seht

bestehend aus Tonika-Subdominante und Dominante- o.k. ich hab mal nachgezählt es gibt ungefähr

2.367.932.432,5 songs basierend auf dieser Kadenz darunter z.B. alle, ich wiederhole absolut alle

Volksmusiktitel aber auch evergreens wie ?twist and shout?, ?la bamba? ?Quantaladingsbums? ?sweet home alabama?(rückwärts also V IV I) sowie die komplette Filmmusik zu ?Alpenglühn im

Schnakslertal - die Rosi möchte noch einmal?

2.) VI II V I Kadenz (?I just called to say I love you? und viele andere Pop und Beatsongs)

Bitte spielt diese Kadenzen sowohl in ihrer Drei- wie auch Vierklangsvariante und ihr werdet feststellen wie gebräuchlich, man könnte schon fast sagen gewöhnlich diese Patterns sind - Ich bin mir sicher ihr werdet euch relativ schnell denn Klang dieser Patterns einprägen bzw. Ihr kennt ihn ja schon und wißt nun was Akkordmäßig abgeht wenn ihr sowas hört.

Versucht vielleicht auch einfach mal zu einer der beiden Folgen eine kleine Melodie zu komponieren am besten kompatibel zum Text ?Lobet den Hermann den Onkel aller Harmoniebedürftigen?.

Zum Abschluß noch ein kleiner Tip zur Umsetzung der heute erlernten 4Klänge auf euer Instrument

dargestellt am Beispiel des Manfred B. aus J. an der M. - ein Gitarrist wie jeder andere - der nach Lektüre seiner Peter Bursch Gitarrenbibel glaubte er könne nun alle Akkorde spielen die Reinhard Mey auch spielen kann - womit er ja auch recht hatte. Und so zupfte er glücklich und zufrieden vor sich hin bis eines Tages der gnadenlose Bassist (und Übungsraumbesitzer) seiner Band sein Leben durcheinanderwirbelte mit der Ansage - ?Du Manfred, spiel doch mal nen Cmajor 7!?

Schock- Entsetzen war doch dieser Akkord sowohl mit als auch ohne Kapodaster (Bauanleitung in Folge 145) für ihn unspielbar - da unbekannt.

Was Manfred nicht wußte: Cmaj7 ist der 4Klang auf der I Stufe - entstanden durch geschicktes Übereinanderschichten von Terzen. Nimmt man nun den Dreiklang der eine terz höher entsteht

(e moll) und packt ihn auf den Basston C drauf erhält man - ihr ahnt es - logischerweise C maj 7.

Mit anderen Worten C maj 7 ist e moll über C (e-/C). Will man einen D-7 macht man F über D und schwupp! Für Pianisten oder Keyboarder (Die kriegen als nächste ihr Fett ab) bedeutet das linke

Hand Basston rechte Hand Dreiklang fertig ist der Vierklang und für Manfred heißt das -

einfach e moll schrammeln, den Bassisten auf C abgrooven lassen, deinen wissenden Blick aufsetzen und aus deinen Kapodastern ein schönes Lagerfeuer machen vor dem du dann alle deine

3 Lieblingssongs vortragen kannst. (Als Beilage empfehlen wir Dosenwürste vom Grill)

Also dann bis nächstes Mal und dann heißt es ?Quizshow mit Onkel Hermann?