oder: philosophische Ansichten zur bewegten Luft.

Folge 2: bzw. 2/3 'Über 7 Stufen mußt du gehn'

Hallo liebe Harmoniebedürftige - ich hoffe ihr habt die Interwale vom letzten Workshop gut verdaut und nicht umgekehrt. Behaltet sie auf jeden Fall noch eine Weile im Auge und dann hoffentlich für immer im Ohr!

Heute wollen wir zunächst einmal versuchen über die Tonleiter hin zum Akkord zu gelangen und auch dabei werdet ihr mit dem ein oder anderen Intervall konfrontiert werden.

Zunächst einmal klettern wir die c Dur Tonleiter empor

Abb.1
c d e f g a h c

um dann die Abstände der einzelnen Töne zum Grundton c festzustellen

Abb. 2
Ton d d e f g a h c
Intervall 1 2 gr3 4 5 gr6 gr7 8
Prim gr. Sekund gr. Terz Quart Quint gr. Sext gr.Septim Oktav

Beim obligatorischen Nachspielen und Nachsingen stellt ihr fest, daß ihr schon als Kleinkind mit dieser Tonleiter bzw. mit Ausschnitten daraus (Alle meine Entchen etc.) traktiert wurdet - immer dann wenn eure Kindergärtnerin auf den weißen Tasten des Klaviers improvisierte. Außerdem stell ihr fest, daß jeweils zwischen dem 3. und 4. Ton sowie zwischen dem 7. und 8. Ton ein Halbtonschritt (kl. Sekund) liegt, während die restlichen Beteiligten sich im Abstand eines ganzen Tones (Sekund) zu ihren Nachbarn befinden.

So, wie entstehen nun aber Akkorde werdet ihr euch fragen und die Antwort ist ganz einfach: In der Praxis dadurch, das irgendjemand 3 Töne gleichzeitig auf seinem Klavier hämmert oder an seiner Gitarre zupft oder umgekehrt. (Das nennt man dann hammering on liebe Gitarristen). Theoretisch unspaßigerweise dadurch, daß man die Töne einer Tonleiter in Terzen übereinanderschichtet.

Machen wir das beim Grundton unserer C Dur Tonleiter passiert folgendes:

Abb. 3
Nun haben wir wie Dr. Frankenstein dereinst ein kleines Monster kreirt das wir allerdings Akkord nennen. Was uns zur Frage bringt: was heißt eigentlich 'Akkord'- also das Duden Fremdwörterbuch aus dem Regal und was steht da unter A - Akkord: Stücklohn.

Oje wurde nun nach dem Interwal auch noch der Akkord zum Opfer der deutschen Rechtschreibreform - nein da stehts ja: Zusammenklang von midestens 3 Tönen verschiedener Tonhöhe. Also, falls in Omas Kreuzworträtsel mal diese Definition auftaucht - ihr wißt Bescheid. Im englischen bemüht man das Wort 'chord', welches übrigens auch Sehne oder Kabel bedeuten kann.

Ein Glück daß es bei uns lustigen Musikanten eine globusumspannende Zeichensprache gibt, sonst hätte so mancher englische Komponist jetzt wohl einen A moll Akkord im Knie.
Die Symbolschrift hat bei uns Musikern, wie bei vielen anderen Naturvölkern, eine jahrhundertealte Tradition. Denken wir nur an so schöne Zeichen wie (Violinschlüssel) oder (Bassschlüssel) oder auch (Peacezeichen).

Leider gibt es seit Anbeginn der bewegten Luft unzählige verfeindete Stämme wie z:B die Jazzer, die Klassiker, die Autodidakten, studierte Jazzer, klassische Autodidakten, Kunstpfeifer und natürlich die lange Zeit zu Unrecht gefürchteten Bassisten, doch dazu später mehr. Aufgrund dieses entsetzlichen Wirrwars konnte es passieren das die Symbolschrift einzelner Stämme nie in kompletten Einklang gebracht werden konnte, selbst die historische internationale Konferenz der deutschen Phonanieakademie von 1816 führte eher zu einer Verhärtung der Fronten und letztendlich zur Schlacht am little tenor horn 1817.

Hier ein kurzer Überblick über die unterschiedlichen Symbole für die Akkorde, denn um die geht es ja heute. Nehmen wir unseren vorher wissenschaftlich erzeugten C Dur Akkord, der könnte auftauchen als

1.) C maj (major für engl.'größer' wg. großer Terz)
2.) C ^
3.) C (großgechrieben)


Im Falle eines Moll Akkordes, z:B. A moll müßten wir gefasst sein auf:

1.) A min (minor engl.'klein' wg. kleiner Terz)
2.) A -
3.) a (kleingeschr.)

Für unsere Erforschungen der wunderbaren Welt der 12 Töne sollten wir uns ab sofort auf die Schreibweise 3.) für Dur Akkorde und 2.) bei Moll Akkorden festlegen. Zu diesen Grundsymbolen gesellen sich dann im Laufe der Zeit große oder kleine Septimen (7) oder andere Akkorderweiterungen (9,11,13). Laßt euch von diesen Zahlen nicht irritieren, denn grundsätzlich gibt es zunächst einmal zwei Arten von Akkorden - nämlich Dur und Moll. Diese beiden Gebilde unterscheiden sich nur in einem Punkt bzw. Ton voneinander - der Terz, die das Tongeschlecht bestimmt.

Eine kleine Terz, seit letzten Monat als b3 bekannt, beschert uns einen Mollakkord, eine große Terz einen Durakkord.

Deswegen spricht man gemeinhin von der Dur bzw, Moll Terz. In Intervallen gesprochen ist ein Dur Akkord also folgendes 1 3 5 ein Mollakkord hingegen 1 b3 5

Ein guter Weg diese beiden Grundtypen richtig intus zu kriegen wäre auch hier Spielen und Singen, beides gleichzeitig am besten auch in der Gruppe, genau wie letztesmal mit den Intervallen. Bitte macht eure Gehörübungen mit allen möglichen Umkehrungen der Akkorde und beachtet dabei wie sich der Klang des Akkordes von Lage zu Lage verändert.

Abb. 4
Ganz am Rande bemerkt ist das Singen dieser Akkorde sowie ihrer Umkehrungen innerhalb eurer Band ein guter Weg um eure Chöre etwas mehr in Richtung Eagles zu bringen.

Zurück zu unserer Tonleiter vom Anfang. Diese hat, wie die meisten Tonleitern in der abendländischen Musik 7 Töne - bilden wir über jedem Ton nun einen Akkord, so wie wir das vorher schon mit unserem C gemacht haben, erhalten wir logischerweise 7 Akkorde.
Man spricht in diesem Zusammenhang von den legendären und vielbesungenen 7 Stufen die wir ab sofort mit römischen Ziffern darstellen.
Den daraus resultierenden Akoorden wollen wir sogleich ein bischen aufs Tongeschlecht kucken, und weil wir nunmal (Schnell)-Spanner sind stellen wir folgendes fest:

Abb.5
Alles klar, jawoll, aber was soll nun eigentlich der Quatsch mit den 7 Stufen - nun schon Peter Maffay hat in grauer Vorzeit prophezeit 'Über 7 Stufen mußt du gehn'! - und deswegen der ganze Aufwand mit den römischen Ziffern? Schmarrn natürlich, wir gehen diesen kleinen Umweg über die 7 Stufen deshalb, weil diese Stufen und die zugehörigen Akkordmerkmale in jeder Tonart Gültigkeit haben- was für C gilt, gilt z.B. auch für G.

Womit wir bei der Prämisse der 1. Folge wären - Harmonielehre richtig angewandt multipliziert euer Wissen - in iesem Fall mit Faktor 12, denn soviele Tonarten gibt es.

Ein einfaches Beispiel: wir nehmen unsere Abb. 5 und sehen das Stufe II ein Mollakkord ist, und das nicht nur in C sondern z.B. auch in G (A-) oder in F (G-). Also über dem jeweils 2ten Ton der Tonleiter, auf Stufe II bildet sich ein Mollakkord, genauso wie auf Stufe III und VI.

Folgenden praktischen Nutzen könnte die nun für dich haben:
1.) Du arbeitest an einem Song mit den Akkorden /C/F/G/G/ und deine Freundin findet das ein melancholisch romantisches Zwischenspiel deinem Werk sehr gut tun würde. Nun wie imponierst du in den darauffolgenden 5 Sekunden dieser Frau mit einem Akkord der dieser Aufgabe gerecht wird?

Zuerst überlegt ihr in welcher Tonart ihr seid - in diesem Fall eindeutig C Dur, dann denkt einfach an die zur Verfügung stehenden Moll Akkorde (II,III und VI) also D-, E- oder A- und los kanns gehn!

Der dabei zurückbleibende kongeniale Eindruck von dir auf deine Freundin ist unbezahlbar und könnte dein Zwischenspiel schnell zum Vorspiel werden lassen.

Fall 2:) Euer Bassist kommt in den Übungsraum mit folgender (Bass) -Tonfolge /D/G/C/F/ und der Ansage 'Des isch F Dur!' Ihr rattert blitzschnell die F Dur Tonleiter runter (Beschleunigungshilfen in einem der nächsten Workshops)
Abb. 6
und stellt fest, es handelt sich bei diesen Basstönen um die Grundtöne der Stufen /VI/II/V/I/ was euch schließlich zu den Basisakkorden /D-/G-/C/F/ bringt.

Euer Bassist, und ihr wißt, Bassisten sind unberechenbar, könnte aber auch sagen: 'Des isch C dur, glaub i' Tja in C ergibt sich für euch- kurz nachgedacht /II/V/I/IV/ in Akorden gesprochen: /D-/G/C/F/, also eine etwas fröhlich klingenere Variante. Angenommen er sagt aber 'Koi Ahnung was des isch, aber es klingt supr' - und das wird ein Bassist meistens tun - machen wir uns hier nichts vor- habt ihr die Wahl zwischen beiden Varianten. Vorrausgesetzt ihr erkennt die Tonarten die diese Töne beinhalten (Zu denen gehören übrigens auch noch G, Bb und Eb), aber darin kriegen wir mit der Zeit Routine. Ihr könntet auch einen Tonartwechsel nach Takt 2 initieren und alles mit Dur oder als mit Moll harmonisieren, ihr seht nichts ist unmöglich und alles ist theoretisch erklärbar, aber das Weigste wird eurem Basser gefallen. Und dann ist es sehr von Vorteil wenn man schnell ein paar Varianten anbieten kann, besonders wenn dem Bassisten der Übungsraum gehört! Also auf zum Peter Maffay Gedächtnismarsch über 7 Stufen - es lohnt sich.

Euer Onkel Hermann