oder: philosophische Ansichten zur bewegten Luft.

Folge 1: Interwale - die größten Säugetiere der Welt

Hi und willkommen zu Episode 1 unserer Reise in die 'wunderbare Welt der 12 Töne'. Womit wir schon fast beim heutigen Thema wären - die magische 12- und hier kommt auch schon die gute Nachricht: Es gibt ja im Prinzip nur ein Dutzend Töne bei unserer Art der mathematisch/physikalischen und doch so wohltemperierten Unterteilung jener Schallwellen die wir da Musik nennen. (Lest alles darüber im Workshop von...). Und zu den wenigen theoretischen Grundlagen die wir brauchen um hier auch vernüftig zu kommunizieren gehört die Definition der Abstände die Töne zueinander haben. Wir nennen diese Abstände Intervalle. Das heißt wir nannten sie so - nach der neuen Rechtschreibreform nennen wir sie jetzt Interwale- glaube ich jedenfalls.

In der folgenden Abb. seht ihr die 12 niedlichen Tierchen gesehen von C aus, mit den gängigen Kürzeln versehen und der nachfolgenden streng wissenschaftlichen Definition aus dem Forschungszentrum der deutschen Phonanieakademie.

Abb. 1

C 1 Prim

C#/Db b2 kl. Sekund

D 2 Sekund

D#/Eb b3 kleine Terz (Mollterz)

E 3 große Terz (Durterz)

F 4 Quart

F#/Gb #4/b5 übermäßige Quart/verminderte Quint

G 5 Quint

G#/Ab #5/b6 übermäßige Quint/kleine Sext

A 6 große Sext

Bb b7 kleine Sept

H gr.7 große Sept

C 8 Oktav

Abb. 2 (Das Ganze auf Notenpapier)

Und ich behaupte nun jeder (jedenfalls fast jeder) kennt und erkennt diese Intervalle- zwar nicht auf dem Papier und dem obigen Diagramm der deutschen Phonanieakademie- aber immerhin, und das ist viel wichtiger, mit seinen zwei Hörohrganen. Hier folgt der Beweis: Klingelt bei eurem Nachbarn und zwingt ihn notfalls mit vorgehaltener Melodika euch die Polizeisirene (Quart) oder auch Kuckuck (kl. Terz) vorzupfeifen oder zu singen und ihr werdet feststellen das euer Nachbar (und hoffentlich auch ihr) irgendwo in seinem Kopf nicht nur diese beiden sondern auch alle anderen Intervalle parat hat, denn auch für die anderen Intervalle gibt es Eselsbrücken.

Nun müßt ihr nur noch den entscheidenden Schritt gehen und eure Kenntnisse den Begriffen bzw. Nummern bei Abb. 1 zuordnen und ihr seid innerhalb kürzester Zeit ein Riesenstück vorangekommen. Zunächst aber noch die restlichen Eselsbrücken, mein Tip: baut euch auch eure eigenen, wenn ihr Lust habt, laßt uns an eurem Wissen teilhaben und schickt sie uns zu, wie ihr gleich feststellen werdet sind einige eurer eigenen bestimmt besser als meine.

Abb.3

C 1 wer hier eine Eselsbrücke braucht wendet sich bitte an den Sonderfond der deutschen Phonanieakademie

C#/Db b2 'für Elise' (abwärts)

D 2 Die ersten 2 Töne von 'Alle meine Entchen'

D#/Eb b3 'Kuckuck' (abwärts)

E 3 2ter Ton Bierzelttusch

F 4 Polizeisirene

F#/Gb #4/b5 3ter Ton 'Black Sabbath' (Black Sabbath 1 - Sorry mir fiel nichts anderes ein)

G 5 3ter Ton Bierzelttusch

G#/Ab b6 2ter Zusammenklang bei 'Ballade pour Adeline'

A 6 1ter 'Double stop' bei 'Ballade..' oder 'Ottoversand Hamburg)

Bb b7 4ter Ton des Middleparts (Aaaaaa....) von 'Twist and Shout'

H gr7 3ter Ton 'Somewhere over the rainbow)

O.k., wenn ihr nun diese oder auch eure eigenen 'Sounds' in eurem Kopf der relativ überschaubaren Anzahl an Intervallnamen zuordnet dann habt ihr ab sofort immense Vorteile beim Umgang mit bzw. Komponieren von Musik. Wichtig wäre nun nur noch den visuellen link herzustellen, sprich sich vertraut zu machen mit dem was ihr an eurem Instrument tun müßt um die beiden Töne zu erzeugen und sich das auch optisch einzuprägen.
Dies geht am besten wenn ihr euch an eurem Instrument durch ein paar kleine Übungen vertraut macht mit den Intervallen. Hier ein paar Anregungen:

Da wir ca 4 Wochen bis zur nächsten Episode haben teilt euch die Intervalle vernünftig auf (12 durch 4 ist 3 - also 3 in der Woche- das ist machbar)

1. Woche: 3/5/8,
2. Woche b3/4/7,
3. Woche 2/#4bzw.b5/ b6/
4. Woche b2/gr7/6

Und bitte ab Woche 2 die vorangegangen Intervalle nochmals durchgehen. Probiert doch mal eigene Übungen zu erfinden ihr könntet z.B. folgendes versuchen:

1.) Grundton spielen / Intervall spielen, jeweils mitsingen

2.)Grundton und Intervall gleichzeitig spielen, dazuGrundton singen dann das Intervall singen

3.) Grundton spielen, Intervall singen

4.) Grundton singen, Intervall spielen (Achtung: funktioniert selten bei Blasinstrumenten - sorry)

Versucht das Ganze evtl. auch in der Gruppe mit Band oder Freunden. So werdet ihr mit dem Klang dieser Intervalle vertraut gemacht und damit was ihr an eurem Instrument tun müßt um diesen Klang zu erzeugen - eure Finger denken und hören praktisch mit außer ihr seid drummer, aber das ist ein anderes Thema. Macht die Augen zu und prägt euch den Sound jedes einzelnen Intervalls ein - ihr werdet merken jedes hat seine eigene Farbe und Charakteristik. (b3 traurig, b2 gespannt, schrill - aber notiert doch einfach mal eure eigenen Empfindungen)

Am Rande bemerkt: Ihr könnt dieses Training auch beim Autofahren, joggen usw. machen - bitte bei Sex keine b3 auf dem Konsonanten 'M' singen - so gingen schon viele Beziehungen zu Bruch.

Das liest sich jetzt alles vielleicht etwas kompliziert und unspaßig - probiert es aus und ihr werdet feststellen daß das genaue Gegenteil der Fall ist und solltet ihr euch die Frage aller Fragen stellen nämlich: Was bringt mir das?!- dann macht euch folgendes klar: Ihr werdet immer schneller in der Umsetzung der Melodien die ihr im Kopf habt auf euer Instrument. Das langwierige Suchen nach dem Ton den ihr euch vorgestellt habt zerstört meistens komplett die Inspiration. Optimalziel: es gibt keine Zeitspanne mehr zwischen Vorstellung und Umsetzung! Egal ob ihr mehr an Improvisation oder Komposition interessiert seid - dies ist das Nirvana für jeden Musiker - auf diese Art und Weise findet die perfekte Kommunikation zwischen euch und euren Zuhörern statt und eure Gitarre, euer Keyboard oder euer Bass ist das was es eigentlich sein sollte - ein Instrument, also Werkzeug, zur Umsetzung eurer musikalischen Ideen und nicht ein Ding mit dem man kämpft und die schallgewordenen Ergebnisse dieses Kampfes in die Umwelt emissiert. Also go for it, und ihr werdet merken - die Interwale sind mehr als nur die größten Säugetiere der Welt.

Euer Onkel Hermann