emanuel grants erben

17.11. 2011: schriftnote an alle stadträte und den bm von burgau


An die Burgauer Stadträte und den Bürgermeister


14.11.2011



Gedanken zur „Kultur“ in Burgau


Auf diesem Wege möchte ich einige meiner Beobachtungen und Gedanken zum Thema „Kultur“ in Burgau vortragen:

Meiner Meinung nach ist es nötig, in Burgau in kultureller Hinsicht einiges zu optimieren und ich will versuchen dies kritisch, aber in einem positiven Geiste zu erläutern.

Grundsätzlich finde ich es als Kulturschaffender begrüßenswert, dass Burgau für kulturelle Zwecke erhebliche Mittel in die Hand nimmt. Über die Dimension dieser Gelder und deren Verteilung lässt sich streiten. Es sollte in jedem Fall aber das Ziel sein, dass eben diese Mittel nach Möglichkeit einer möglichst großen Bevölkerungsgruppe zu Gute kommen.

Ich entnehme dem Haushaltsplan für das Jahr 2011, dass in 2010 finanzielle Mittel in Höhe von über 325.000 € allein für die Kapuzinerhalle zu Buche schlagen. Obwohl die Investition für den Umbau der Halle hier mit zu Buche schlägt, erscheint mir diese Summe doch sehr hoch (um es mit Helmut Kohl zu sagen: „gemessen an dem was am Ende hinten rauskommt“). Meiner Meinung nach kommen die aufgewendeten Mittel letztendlich zu wenigen Bürgern zugute.

Als Vater von 3 Kindern habe ich das Gefühl, dass Kinder und Jugendliche z. B. nicht zur Zielgruppe der Kapuzinerhalle zählen. Grundsätzlich fehlen meiner Ansicht nach in Burgau schöne Spielplätze, ein vernünftiges Jugendzentrum und eine Live Bühne für junge Menschen. Die Tatsache, dass allein unsere Halle die o. g. Mittel bindet, bedeutet für die Zukunft wohl auch, dass für die gerade angeführten Zwecke Mittel fehlen werden.

Die Kapuzinerhalle wurde offensichtlich eher nach ästhetischen Kriterien geplant, ein Plan für eine auch wirtschaftlich sinnvolle Nutzung war anscheinend nicht der Ansatz. Die sehr teure Audioanlage ist mangelhaft und wird trotz mehrfacher, eindeutiger Kritik nicht optimiert, mit dem Ergebnis das meist eine teure P. A. angemietet wird. Auch dies sollte hier erwähnt werden.




Man sollte aus der Tatsache, dass Burgau nun eine so schöne Halle besitzt mehr machen. Dass die Burgauer für Kultur in ihrer ganzen Breite empfänglich sind zeigen sie nicht zuletzt bei den hier stattfindenden historischen Festen. Engagierte Bürger und Vereine sollten mit eingebunden werden, statt Kultur von Amts wegen zu verordnen.

Es sollte selbstverständlich auch eine Prämisse sein, finanziell erfolgreich aus den Veranstaltungen herauszugehen. Wie ich dem Haushaltsplan 2011 entnehme, betragen
die Personalkosten die Kapuzinerhalle betreffend rund 75.000 €.
Dem Posten 'Veranstaltungen der Stadt' - 19.600 € (Gagen?) und dem Posten 'Öffentlichkeitsarbeit' - 12.700 € stehen Halleneintrittsgelder in Höhe von lediglich 8.100 € gegenüber.

(Würde man einen durchschnittlichen Eintrittspreis von 10 € zugrunde legen
würde dies bedeuten dass es 2010 lediglich rund 800 Besucher gab.)

Ein derart krasses Missverhältnis sollte für eine Halle, die mit Millionenaufwand saniert wurde, nicht der Ansatz für die Zukunft sein.
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An Stelle eines Kulturamtes würde es genügen, wenn eine sozial kompetente, organisatorisch begabte Kraft im Rathaus den engagierten Gruppen, Vereinen und sonstigen Veranstaltern zur Seite stehen würde. Auf diese Weise würden Mittel für andere Zwecke frei werden.
Eine Veranstaltung aufzuziehen, ist ein nicht zu unterschätzendes organisatorisches und marketingintensives Unterfangen. Hierzu braucht man begeisterte Menschen die hinter einer Sache stehen und einen Event sozusagen zu dem Ihren machen.

Was ich selbst an Frust bei Veranstaltungen miterlebt habe, kombiniert mit den obengenannten wirtschaftlichen Eckdaten, bringt mich zu der Auffassung
– Kultur braucht kein Amt -.

Kultur entsteht auf völlig andere Art und Weise:

Durch Menschen - mit anderen Menschen - für andere Menschen.

Die Aufgabe der Stadt ist es in meinen Augen, diesen Menschen Raum zu geben, nicht nur im Wortsinne - gerade für die Jugend wäre das mehr als wichtig, denn ein nicht unbeträchtlicher Teil des Jugendkulturlebens spielt sich bisher lediglich in Bauwägen und Bushaltestellen ab.

Mit freundlichen Grüßen


Hermann Skibbe